Psalm 100, 3

„Erkennet, dass der EWIGE Gott ist“

„Ich denke, darum bin ich!“ Rene Descartes (1596-1650) formulierte als Philosoph diese Worte. Sie sind immer noch Fundament alles Nachdenkens über das Geheimnis der menschlichen Existenz. Viele Jahrhunderte früher hat der Apostel Paulus mit Bezugnahme auf die Tehilim Israels (Psalmen) an die Korinthische Gemeinde geschrieben: „Wir glauben, darum reden wir auch!“ (2. Kor. 4, 13) Deutlich wird, dass der Glaube viel mehr umfasst als die „reine Vernunft“, die sich in den Möglichkeiten menschlichen Denkens erschöpft. Denn ein rein gedankliches „Für-wahr-halten“ erfasst das Wesen biblischen Glaubens nur ganz am Rande. Viel wesentlicher sind die 20-30 cm, die es braucht, dass der Glaube vom Kopf ins Herz kommt. Also tatsächlich unser „Lebenszentrum“ erreicht.

Genau diesen Tatbestand beschreibt das biblische Wort „Erkenntnis“. Dazu werden wir herausgefordert im Psalm 100, den wir als Motto für das 100-jährige Bestehen unserer Gemeinde in Bockum-Hövel ausgewählt haben.

  1. Glauben und Erkennen

Wie zwei Seiten derselben Medaille: Glauben und Erkennen gehören zusammen. Will man Erkennen ohne zu glauben verliert man sich in den Untiefen des reinen Gedankenspiels. Bleibt man jedoch beim Glauben stehen, wird niemals eine beglückende Freiheit, Reife und Gewissheit erreicht. Petrus bringt es – mal wieder – auf den Punkt, als Jesus seine Jünger fragte, ob sie ihn auch verlassen wollen:

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (Joh. 6, 68-69)

Genau in dieser Reihenfolge ereignen sich Glaube und Erkenntnis: Auf die Botschaft des Evangeliums „antworten“ wir, in dem wir sie „vertrauensvoll“ annehmen. Das ist der rettende Glaube, der hier wirksam wird. Wir lassen uns darauf ein. Sagen ja zu dem Angebot Gottes, unsere Sünden durch Jesu Opfertod zu vergeben. Und uns zu Kindern Gottes zu machen, indem wir Jesus unser Leben anvertrauen – IHN, Jesus, in unser Leben aufnehmen (s. Joh. 1, 12). Dies wiederum ist der Anfang einer „Lebensreise“, die uns in immer vertrautere Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes – und damit auch mit dem himmlischen Vater – bringt. Das meint: „Erkennen“!

Jesus hat gesagt: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8,31-32)

Des Weiteren schreibt Johannes in seinem ersten Brief (1. Joh. 3, 1-2): „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen - und wir sind es auch! Darum erkennt uns die Welt nicht; denn sie hat ihn nicht erkannt. Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“

  1. Erkennen heißt: eine (intime) Vertrauensbeziehung einzugehen

Schon aus „Der kleine Prinz“ (Antoine de Saint-Exupéry, 1900-1944) wissen wir: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!“ und „Man ist für das verantwortlich, was man sich vertraut gemacht hat!“

In der biblischen Sprache steht dafür das Wort „Erkennen“. Mit diesem Begriff wird auch die geschlechtliche Vereinigung (Geschlechtsverkehr) beschrieben. Also die tiefste – intimste – Gemeinschaft von Mann und Frau, der nach Gottes Willen in die lebenslange Treue-Gemeinschaft gehört. Somit ist die Ehe als lebenslange Bindung in geistiger, seelischer, körperlicher (Sexualität) und sozialer Hinsicht von Mann und Frau die einzige legitime schöpfungsgemäße Grundlage der Familie.

Immerhin wird sie eigens durch ein gesondertes Gebot geschützt: „Du sollst nicht ehebrechen.“ (2. Mose 20, 14 / 5. Mose 5, 18)

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Gottesbeziehung eines Menschen – ja eines ganzen Volkes – immer wieder auch mit einer Ehe verglichen wird. Das erste Gebot (der eine Gott, den es zu verehren gilt) und das sechste Gebot (Verbot des Ehebruchs) hängen eng zusammen. Und eine Gesellschaft, die den Ehebruch für „normal“ erklärt, braucht sich nicht zu wundern, wenn die „Gott-losigkeit“ eines Volkes überhand nimmt. Man lese unter diesem Aspekt einfach mal das erste Kapitel des Römerbriefes (s. Röm. 1,18-32). Es geht also beim „erkennen“ um ein höchst persönliches und vertrauensvolles Geschehen. Sowohl in der ehelichen Gemeinschaft von Mann und Frau als auch in der persönlichen Gottesbeziehung.

  1. Gegenseitiges Erkennen

Gottes großes Gnadenangebot richtet sich an alle Menschen. Nur durch Jesus Christus ist der Zugang zur Versöhnung mit Gott gegeben. Er tauscht seine Sündlosigkeit und Gerechtigkeit mit unserer Ungerechtigkeit und Sünde. (s. 2. Kor. 5, 21)

Daher gilt: „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.“ (Röm. 5,1)

Nun aber geht es darum, den ewigen Gott, der uns durch Jesus begegnet, immer besser kennen zu lernen. Dies geschieht auf der Ebene der „Erkenntnis“. So betet der Apostel für die Gemeinde um den „Geist der Weisheit und der Erkenntnis“ (Eph. 1, 17).

Er beschreibt das Leben im Glauben als ein „Verwandelt-werden“ in das Wesen des Christus, nämlich: „dass der Christus in euch Gestalt gewinne“ (Gal. 4,19).

Dies geschieht durch den Heiligen Geist, indem wir Christus anschauen:

„Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist“ (2. Kor. 3, 17-18).

Um schließlich so vertraut zu werden, dass wir „IHN so erkennen, wie er wirklich ist“ (1. Joh. 3, 1-2).

Und von IHM erkannt zu werden: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin“ (1. Kor. 13, 12).

In dieser tiefen Gemeinschaft mit dem HERRN sind wir geborgen in Jesus für Zeit und Ewigkeit, so dass wir mit dem bekannten Liederdichter Paul Gerhard beten und singen können:  

Erkenne mich mein Hüter – mein Hirte nimm mich an

Von dir, Quell aller Güter ist mir viel Guts getan

Dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost

Dein Geist hat mich gelabet mit mancher Himmelslust

So wollen wir gerade in der Passions- und Osterzeit

„erkennen, dass der EWIGE Gott ist“ (Ps. 100,3).

Allen Leserinnen und Lesern des Gemeindebriefes ein segensreiches und ermutigendes Osterfest: Jesus lebt – mit IHM auch ich!

Bernd Niemeier

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