„Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist…“   (Eph. 6,18)

„Betet ohne Unterlass“ – es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen Ausspruch (miss-) zu verstehen. Immer wieder begegnen mir Menschen, die diesem „Ideal“ hinterherjagen ohne es je zu „schaffen“. Will Gott uns deprimieren und entmutigen? Sollen wir alle unser Leben radikal verändern und ins Kloster gehen?

Übrigens hat man auch da gemerkt, dass der Garten unbearbeitet bleibt und die Wäscheberge nur still weiterwachsen, wenn man „nur“ betet. Also: Beten „und“ Arbe(i)ten! Bleibt es also nur ein frommer (unerfüllbarer) Wunsch – eine von scheinbar vielen biblischen Anordnungen, die nicht zu leisten sind? „Betet ohne Unterlass“. (1. Thess. 5,17)  

Vielleicht ist einfach nur die „innere Haltung des Herzens“ gemeint - ein „betendes Herz“ sich zu bewahren? Oder in einem ständigen „inneren Zwiegespräch“ mit Gott zu leben? Selbst das kann auf Dauer sehr anstrengend sein! Obwohl ich meine, dem Wesen des biblischen Wortes aus dem 1. Thessalonicher Brief hiermit schon recht nahe zu kommen.

„Beten heißt ja, in einer geschenkten Beziehung zu leben“ (Paul Imhof)

Also auch: Dranbleiben. Dem Gespräch mit Gott Raum und Zeiträume geben. Die innere Sensibilität bewahren, mit dem durch den Heiligen Geist unsichtbar gegenwärtigen auferstandenen Herrn Jesus Christus zu sprechen und mit ihm zu rechnen. Damit kommen wir der Anweisung des Apostels im Epheserbrief, wie er oben abgedruckt ist, auf die Spur. Dieses Beten zu „jeder Zeit“ meint eben auch nicht, ständig mit einem gesenktem Kopf, gefalteten Händen und geschlossenen Augen herum zu laufen. Vielmehr ist der Zeitbegriff interessant, den Paulus verwendet. Die griechische Sprache des Neuen Testaments kennt zwei unterschiedliche „Zeiten“. „Chronos“ ist der (messbare) Zeitraum, eine Zeitspanne.

Wir kennen den „Chronometer“ (= Uhr) und die „Chronologie“ (=unsere Geschichtsschreibung).

Das Wort, welches der Apostel verwendet ist jedoch „kairos“. Dieser Begriff jedoch meint den „von Gott (fest-)gesetzten Zeitpunkt“. „Als die Zeit („kairos“) erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn …“ (Gal. 4,4)

So auch hier: Zum Gebet geeignet ist jeder von Gott gesetzte Zeitpunkt. Das hindert nicht unsere Möglichkeit, Gott durch Gebet in all unsere Alltagssituationen mit einzubeziehen. Meint aber auch eine innere Haltung der hörenden Abhängigkeit zu Gott hin, um seine Impulse wahrzunehmen.

Wir werden an jemanden erinnert – Gottes Geist ermutigt uns zu einem stillen Gebet; wir schauen die Nachrichten im Fernsehen – uns wird bei einer Meldung auf einmal bewusst: dafür könntest du eigentlich beten; eine Bekannte ruft an und erzählt eine persönliche Not – wir haben den „Eindruck“: lass uns doch dafür beten.

Alles „normale“ Situationen, wie sie sich täglich unzählbare Male ereignen… durch den Heiligen Geist werden sie auf einmal zum „kairos“, zum „von Gott gesetzten Zeitpunkt“ des Gebets. Und es bleibt unverfügbar.

Einmal berührt uns eine Situation nicht – das ist o.k., denn das Heil der Welt ruht nicht auf unseren Schultern – und einmal ist der Impuls von Gott da.

Dann bete!

Das ist der „Kairos“. Jetzt kann sich „Beten und Flehen im Geist“ ereignen. Gebet in seiner ganzen Vielfalt: Danken, Loben, Klagen, Anbetung, Bitte, Fürbitte, Segnen, Beten im Geist … „Beten im Geist ist in der Bibel übrigens oft ein Fachausdruck für das „Sprachen- oder Zungengebet“, also ein Beten in einer für den Betenden unbekannten Sprache (des Geistes) – eine Sprache, die der Beter nicht gelernt hat, aber als Gnadengabe des Gebets gebrauchen kann, um mit Gott zu sprechen. Sozusagen „von Herz zu Herz“, unter Umgehung des Verstandes.

Paulus spricht auch von dem „unverständlichen Seufzen“ (Röm. 8,26-27). Manches können wir einfach nicht „in Worte fassen“. Und so wie es dem einen dann hilft, auf vorformulierte Gebete – etwa die Psalmen der Bibel, Liedtexte oder andere geistliche Texte – zurückzugreifen, so kann z.B. derjenige, dem die Gabe des Sprachengebets geschenkt ist, auf diese Weise beten. Der Apostel hat diese Art des Betens übrigens sehr zu schätzen gewusst (vgl. 1. Kor. 14, 5 + 15), stellt es aber in den gesamten Zusammenhang des persönlichen Gebets. So wird es nicht überbetont oder gar als einzige „richtige“ Art des Betens herausgestellt. Ein jeder bete, wie es ihm "ums Herz ist." Wichtig ist der „kairos“ und das persönliche Geführt-werden darin durch den Heiligen Geist. So haben wir Teil an Gottes heilsamen Wirken in dieser Welt. So wird das „jederzeit“ zu einem spannenden Unterwegs- sein mit Gott. Im Hören auf seine „Zeitpunkte“ erfahren wir SEINE Wertschätzung, SEINEN Willen, uns zu gebrauchen und uns zu einem Teil seiner heilvollen Absichten zu machen, die ER in unserem Leben, unserer Familie, unserer Gemeinde, unserer Stadt, unserem Land und mit dieser ganzen Welt hat. Lassen wir uns ermutigen zu Betern und Beterinnen zu werden, „jederzeit mit Bitten und Flehen im Geist“ – ich träume davon, so ähnlich wie es Paul Beasly Murray in Worte gefasst hat.

Ich träume von einer betenden Gemeinde

wo man das Beten als besonderes Geschenk

und nicht als Pflicht sieht

wo man erwartet, dass Gott unsere Gebete erhört

wo Männer und Frauen zusammen beten

wo Familien zusammen beten

wo man in kleinen Gruppen zusammenkommt,

um die Ausbreitung des Reiches Gottes

im Gebet voran zu bringen

wo die Mitglieder für- und miteinander beten

wo die Leiter oft zusammen beten

wo man für die Gottesdienste betet

wo man die Sorgen der Welt nicht vergisst.

(Paul Beasley-Murray)

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen von Herzen Gottes Segen und viel Freude beim Entdecken: Gott ist nie weiter entfernt als ein Gebet!

Pastor Bernd Niemeier

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